Digitale Fotobearbeitung - meine Meinung zum Thema

Seit einiger Zeit ist eine Debatte im Gang bezüglich des Retuschierens/digitalen Bearbeitens von Fotografien (umgansprachlich auch "photoshoppen" genannt, nach dem wohl bekanntesten Tool zur digitalen Bearbeitung von Fotos, Adobe Photoshop), vor allem was digital veränderte Fotografien von Models und berühmten Personen in Mode-/ und Beautyzeitschriften und Werbeanzeigen betrifft. Grob gesagt ist die Position der einen Seite der Debatte, dass stark veränderte Fotos von Personen in solchen Aufnahmen (vor allem was die Figur der Personen betrifft) zur ansteigenden Prävalenz von Essstörungen, insbesondere bei Jugendlichen und sogar jüngeren Kindern, beitragen. Die Position der anderen Seite ist, dass Retusche/Bildbearbeitung einfach dazu gehört und schon immer dazu gehört hat.

Meine Gedanken zu diesem Thema im Bereich der privaten und Business-Fotografie (also die Bereiche, mit denen ich persönlich in meiner Arbeit als Portraitfotografin zu tun habe), sind, dass eine gewisse Retusche akzeptabel ist, ein Pickel hier und da, z.B., gehört meiner Meinung nicht in dem Sinn zum Mensch, heute hat man einen, morgen nicht (und gerade kurz vor Fotoshootings zeigen sie sich gerne, wie unpassend das auch sein mag ;-)). Das gleiche gilt für mich z.B. auch für das Aufhellen von geröteten Augen und gelblichen Zähnen. Gerötete Augen sind oftmals tagesabhängig (mal hat man sie, mal hat man sie nicht) und wie weiss Zähne sind variiert auch je nachdem, ob sie gerade erst oder bereits vor einiger Zeit zum letzten Mal gereinigt wurden. Weiterhin haben Zähne auf Fotos, je nach Akkuranz des Weissabgleichs, oft einen gelblicheren Schimmer, als das in der Realität tatsächlich der Fall ist.

Allerdings ist das für mich auch eine Frage des Levels, hat jemand z.B. starke Akne und "retuschiert" diese nicht schon selbst (durch Schminke z.B. bei Frauen), würde ich persönlich es nicht als akzeptabel empfinden, dieser Person im Foto sämtliche Hautausschläge zu entfernen, denn in dem Fall gehören sie einfach zu diesem Menschen, genauso wie Sommersprossen zu Menschen mit Sommersprossen gehören oder Narben von Akne zu Menschen mit Narben von Akne. Das gleiche würde gelten für jemanden der z.B. vom Rauchen extrem gelbe Zähne bekommen hat - dieser Person in einem Farbbild ein strahlend weisses Blend-a-med Lächeln "hinzuzaubern" würde ich als Entfremdung empfinden.

Meiner Meinung nach kommt es einfach auf den Grad der Retusche/Bildbearbeitung an. Was ich auf jeden Fall weder befürworte noch selbst mache ist z.B. Körperteile via Retusche schlanker/kleiner zu machen oder zu vergrößern, d.h., in der Bildbearbeitung an den Konturen etwas zu verändern. Für mich sind Konturen "unanstastbar", denn sie machen das insgesamte Erscheinungsbild des Menschen aus - "wie er oder sie aussieht" in einer jeweiligen Position aus einer jeweiligen Perspektive.

Viel interessanter als Retusche ist für mich das Spiel mit Licht, Schatten, Perspektive, Helligkeit, Kontrast, und Farbe, sowohl beim Fotografieren als auch bei der Bildbearbeitung. Hierdurch kann der Fotograf Kreativität in seine Arbeit bringen, Stimmungen ausdrücken helfen, der fotografierten Person verschiedene "Seiten" von sich zeigen, usw. Das ist spannend!

Es gibt allerdings auch Menschen, die der Meinung sind, dass selbst das schon zur "Verfremdung" führt, bzw. zu einer "vorgetäuschten Realität" zählt. Meiner Meinung nach geht es hier aber mehr um Kreativität und das Zeigen verschiedener Möglichkeiten. Viele dieser Faktoren können ganz klar auch im "normalen Leben" variieren. Z.B. sind wir den Tag über vielfältig verschieden "beleuchtet", je nachdem in welchem Licht wir uns befinden - es gibt also nicht irgendwie eine einzige Version der "Realität" wie wir (lichtbezogen) aussehen. Auch wie kontrastreich und hell eine Szene ist hängt stark vom vorhandenen Licht ab, und aus welcher Perspektive wir gesehen werden hat mit der Position und Größe der uns betrachtenden Person zu tun. Selbst Farbe kann variieren - in farbigem Licht, z.B. in einer Disco oder auch in einer schummrigen Kneipe - sehen wir/unsere Haut ganz anders aus als in hellem Tageslicht.

(Was auch noch interessant ist: Schwarz-weiss Fotos sind im Endeffekt "stark retuschiert" und völlig wirklichkeitsfremd, da niemand - und nur ein Bruchteil von Objekten - in der Realität "schwarz-weiss" ist/sind. Trotzdem ist die schwarz-weiss Fotografie, sowohl in der Portraitfotografie als auch in allen anderen Fotografie-Bereichen, schon immer ein Favorit gewesen.)

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(die) FOTOinitiative, Augustaanlage 57, 68159 Mannheim | Fotografin: Jaytee Van Stean